Experts have been unable to understand the origin of the practice of routine male circumcision. Most of the literature shows no awareness of phimosis - its frequency - or the sexual and erectile problems which can be cured by circumcision. If routine circumcision had been introduced for this most obvious reason of eliminating difficult foreskins; then the importance of an alternative modern method, suitable to our culture's attitudes in this day and age, would be clear.


FELIX BRYK
"Die Beschneidung bei Mann und Weib"

Gustav Feller. New Brandenburg. (l93l)
TEIL DREI
S 126-155


SUMMARY
Full Index

Teil Drei
Page 150-181
p. 150
p. 155
p. 167
p. 168
p. 170
p. 175
p. 177
Freud - Riek
Zeller: incizion
Ethnologischen ablehnung von Zeller
Zeichen von schönheit öder nicht
Schmuck
Masturbation
Schlange
S. 126
S. 130
S. 142
S. 143
S. 144
S. 149
S. 152

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Freud (p. 131ff.) hat sich an das von Darwin entworfene Bild der Urhorde angelehnt, wonach, der stärkste Mann seine Rivalen vertrieben hatte, um sich als Oberhaupt der Gesellschaft seines Harems zu behaupten, und hat daraus die makabre Urszene entworfen, die ich wörtlich auführe:
"Eines Tages taten sich die ausgetriebenen Brüder (Söhne) zusammen, erschlugen und verzehrten den Vater und machten so der Vaterhorde ein Ende. Vereint wagten sie und brachten zustande, was dem einzelnen unmöglich geblieben wäre. Vielleicht hatte ein Kulturfortschritt, die Handhabung einer neuen Waffe, ihnen das Gefühl der Überlegenheit gegeben. Daß sie den Getöteten auch verzehrten, ist für den kanibalen Wilden selbstverständlich. Der gewalttätige Urvater war gewiß das beneidete und gefürchtete Vorbild eines jeden aus der Bruderschar gewesen. Nun setzten sie im Akte des Verzehrens die Identifizierung mit ihm durch, eigneten sich ein Stück seiner Stärke an. Die Totemmahlzeit ist vielleicht das erstefest der Menschheit, die Wiederholung und die Gedenkfeier dieser denkwürdigen, verbrecherischen Tat, mit welcher so vieles seinen Anfang nahm: die sozialen Einrichtungen, die sittlichen Einschränkungen und die Religion."

Nach Freud wären nun unter den Vatermördern einander widersprechende Gefühle gegen den Vater aufgetaucht, was die Psychoanalyse die Ambivalenz des Vaterkomplexes nennt. Sie haßten den Vater, der auf Grund seiner Macht sie vertrieben hatte, aber sie liebten und bewunderten ihn zugleich. Nachdem sie ihn beseitigt, ihren Haß befriedigt und ihren Wunsch nach Identifizierung mit ihm durchgesetzt hatten, mußten die, verdrängten zärtlichen Regungen zum Ausbruche kommen. Dies geschah in Form von Reue, es entstand ein Schuldbewußtsein,(1) das mit der vorhandenen Reue zusammenfiel. Was der 'Tote

1) Die Entstehung des Schuldbewußtseins ist nur aus dem Konflikt zwischen den eigenen Triebhandlungen und den sie hemmenden Verboten einer vorhandenen sozialen Gesellschaft zu erklären. (B.)

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früher durch seine Existenz verhindert hatte, das verboten sie jetzt selbst aus der psychischen Situation des "nachträglichen Gehorsams". Sie widerriefen ihre Tat, indem sie die Tötung des Vaterersatzes, des Totem, für unerlaubt erklärten, und verzichteten auf deren Früchte, indem sie sich auch die freigewordenen Frauen versagten. Aus dein Schuldbewußtsein des Sohnes schufen sie die beiden fundamentalen Tabu des Totemismus, die eben darum mit den beiden verdrängten Wünschen des Ödipus-Komplexes übereinstimmen mußten. Wer dawiderhandelte, machte sich der beiden einzigen Verbrechen schuldig, welche die primitive Gesellschaft bekümmerten. (Zeller, p.119).

Die im Kinde schlummernden inzestuösen Wünsche bedeuten beim Erwachen nicht nur eine Bedrohung des Vaters, sondern auch der ganzen sozialen Gesellschaft. Es mußten nun diese Wünsche auf eine effektive Art verdrängt werden. Die Beschneidung wäre einer dieser Ableiter des Inzest-Triebes. Sie entspricht - nach der Psychoanalyse - den feindlichen Impulsen des Vaters, der sich vor seinem heranreifenden Sohne fürchtet, vor allem weil er ihn seines Weibes (1) berauben will. Der Knabe muß bestraft werden: der Sinn der Beschneidung ist Kastration, sie ist ihr Äquivalent, ihr Symbol. Durch die Kastration soll der Geschlechtsverkehr, vor allem der Inzest, verhindert werden. Die Beschneidung ist aber auch ein Tötungs symbol. Die vielen Riten und Zeremonien von dem Ungeheuer oder Geist, mit dem eigentlich ihr Totemtier, ihr Ahnherr, identifiziert werden muß, der die noch nicht Initiierten und Geweihten tötet und verschlingt, soll daraufhin deuten. Es handelt sich um eine Vergeltung, weil bei der Urszene die Söhne ihren Vater getötet haben und jetzt eine Wiederholung fürchten..Die Quälereien und Martern sind nur eine Begleiterscheinung der beiden feindseligen väterlichen Hauptmotive: Kastration und Tötung. Wir lassen den Begründer dieser Theorie zu Worte kommen: Reik schreibt (p. 89-91):

1) Daß das Weib, die Mutter des Sohnes, inzwischen mindestens um zwölf Jahre älter (- seit der Geburt ihres ersten Sohnes -) geworden ist, und somit bei den von der Psychoanalyse nicht berücksichtigten inzestuösen Anlagen des Vaters und seiner ohnehin polygynen Anlage schon so wie so aus dem Spiel gesetzt wurde, übersieht die Spekulation.

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"Die Verbindung der Tötungs-Simulation mit der Beschneidungs-Operation wurde von uns früher gefunden: die Beschneidung ist keine Ablösung des Menschenopfers, vielmehr sind Tötung und Beschneidung zwei getrennte, nur durch das unbewußte Seelenleben verbundene Aktionen, von denen die erste die Bestrafung für die unbewußten Mordgelüste gegen den Vater, die zweite die Bestrafung für den Inzestwunsch der im "gefährlichsten Alter" stehenden jungen Leute zeigt. Wir würden uns, wenn wir die innige Verbindung dieser beiden zugrunde liegenden Faktoren berücksichtigen, nicht wundern, wenn wir auch in den Wiederauferstehungsriten eine Reaktion der Kastrationsdrohung, welche die Beschneidung genetisch und symbolisch darstellt, vorfänden, Tatsächlich ist eine solche auch vorhanden. Erinnern wir uns jener Varianten der Einweihungs-Zeremonien, in denen angenommen wird, daß die Geister den Jünglingen im Walde gewisse Körperteile entnehmen, und ihnen dafür neue einsetzen, z. B. bessere Eingeweide, Lungen etc. Vergegenwärtigen wir uns ferner, daß die Identifikation mit dem Totemtier oder mit den Ahnengeistern die Kräfte und Fähigkeiten, ja sogar die körperlichen Eigenschaften des Totems verleiht. Wir werden ohne Schwierigkeiten in dieser Identifikation jenes Moment finden, das eine Beruhigung der Kastration drohiung darstellt, nämlich die Wunschphantasie, für den eigenen kleinen Penis den großen des Vaters auszutauschen. Ja, man kann sogar sägen, daß es diese Wunschphantasie ist, welche dem Bewußtsein der Völker in mehr oder minder entstellter Form als der einzige Sinn der Beschneidung präsent ist. Fragen wir die Primitiven nach dem Zwecke der Beschneidung, so stimmt ihre Antwort mit dem Verstand der Verständigen, der Anthropologen und Ethnologen überein, indem sie angeben, es wäre eine Operation, um den Sexualverkehr zu erleichtern oder sein Vergnügen zu erhöhen. Die früher angegebene Wunschphantasie des Primitiven aber, durch ihre Identifikation mit dem Vater statt des eigenen abgeschnittenen Penis den größeren des Totems oder Vaters zu erhalten, bietet uns eine genaue völkerpsychologische Parallele zu gewissen infantilen Reaktionen auf die Kastrationsdrohung. Jene Operation und jene Organ-Zersetzung, durch Geisterhand in den primitiven Einweihungsriten gleicht Zug um Zug der Phanta-

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sie des kleinen Hans, dem angeblich ein Installateur den "Podl" und den "Wiwimacher" (= Penis, B.) wegnimmt, um ihm zwei größere Exemplare jener wertvollen Körperteile, "wie der Vatti sie hat" zu geben. Eine unbewußte Verbindung zwischen den beiden Riten ergibt sich dadurch, daß das Totund Wiederauferstanden-Sein symbolisch die Erschlaflung und Erektion des Penis vertreten."

Interessant ist, wie Reik auch die Beschneidung bei den Juden in seine psycho-analytische Spekulation folgerichtig einbezieht und dementsprechend deutet. Es ist sehr wertvoll, daß einmal der heilige Brauch der Israeliter schlechthin als Gegenstück zu den "barbarischen" Riten bei den Pubertätsweihen der Wilden gestellt wurde. In der "Barizwa" der männlichen Israeliten, die mit der Einsegnung der Christen zusammenfällt, ist übrigens die Institution der Knabenweihen noch bis zum heutigen Tage ebenso erhalten wie in den Abiturien oder anderen Reiferklärungen.

Reik (p.122) führt weiter aus:
"Die Verbindung der Brith mit der Beschneidung ist ebensowenig ein Zufall wie das Bundesmahl, in dem sich die Anhänger Jahwes mit ihm identifizieren und auch die Tatsache der Gesetzgebung - Brith kann selbst Gesetz bedeuten - die in so inniger Beziehung zur Bundesschließung steht (Sinai), darf mit den Vorgängen der Pubertätsriten in Parallele gezogen werden. Die Verheißung zahlreicher Nachkommenschaft entspricht der primitiven Erlaubnis zum Sexualverkehr ebenso wie die des gelobten Landes sexualsymbolisch den Ersatz der geliebten Mutter in Aussicht stellt. Die Drohungen, die Jahwe für den Fall des Bundesbruches setzt, sind im wesentlichen dieselben, welche die Austral-Neger gegenüber den mannbar gewordenen Jünglingen aussprechen, Die seelische Analyse der Pubertätsriten wird es gestatten, in der Sinai-Periskope das antike Gegenstück der im Busch sich abspielenden bedeutsamen Vorgänge der Männerweihe zu erkennen.

" Nach der Beschneidung wird der Knabe genauso wie nach der Beendigung der verschiedenen Riten jener Pubertätsweihe, die keine Beschneidung kennt, in die Gesellschaft als ebenbürtiger vollwertiger Civis aufgenommen, der nunmehr alle Rechte genießt, die ihm-bisher abgesprochen wurden. Besonders der Ge-

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schlechtsverkehr ist jetzt freigegeben: die Legitimationskarte, die, Abzeichen für die Ehe, ist deutlich genug vorhanden..

"Manche zentral-australische Stämme glauben, daß die Junglinge nach der Initation Geschlechtsverkehr haben, müssen oder sterben werden. Unmittelbar nach der Beschneidung muß der junge Mann in Serange, einer Molukken-Insel, Verkehr mit jungen Mädchen, gleichgiltig mit welchen, haben, "damit die Wunde heile" (Crawley).

"Das wird fortgesetzt, bis die Wunde aufgehört hat zubluten. Von den Kikuyu von Westafrika (? B.) berichtet Chazac, daß sie glauben, der erste Koitus, den die Neu-Beschnittenen ausführen, zu ihrem oder ihrer Partnerinnen Tod führte. Diesem düsteren Schicksal suchen sich nun durchfolgende Maßregel entziehen. Sie sammeln sich nach Durchführung Pubertätsriten Horden von 15 bis 20 Mann, überfallen einige alteweiber an einsamen. Plätzen, mißbrauchen sie geschlechtlich und töten sie. Der Tod dieser Greisinnen befreit die Jünglinge aller Gefahr."(1)

Reik (p. 99) meint in diesem Zusammenhange,
"daß die Erlaubnis zum Geschlechtsverkehr nach der Beschneidung erst spät das allgemeine Verbot des Sexualverkehrs ablöste und schon einer vorgesehrittenen Entwicklungsstufe angehört. Ursprünglich blieb dieses trotz Operation aufrecht. So mußten die jungen Männer in der "guten, alten Zeit" bei den Aranda anderen Stämmen Zentral-Australiens solange auf ihnen versprochenen Frauen warten, bis sich die ersten grauen Haare in ihrem Barte zeigten."

Zeller hat nun auf Grund eingehender Studien der Knabenweihen aus der Literatur mit Berücksichtigung der meisten einschlägigen Erklärungsversuche die Beschneidungs-Idee Psychoanalyse weiter ausgebaut. Wir führen seine Ausführungen wörtlich an; um aber nicht aus dem Zusammenhange reißen, müssen auch die ihnen vorangehenden Schilderungen der Inzision erst mitgeteilt werden.

Langsdorff berichtet über Beschneidung Nuhakiwer Folgendes:

1) Chazac, La religion des Kikuju. Anthropos, Bd. II, p. 317, 1910, (Reik, p. 96), Crawley, The mystic rose, 309f., London 1902

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"Die Beschneidung oder das Aufschlitzen und die Erweiterung der Vorhaut ist eine allgemeine Operation bei den Nuhakiwern (Südsee-Insulaner), welche erst in späteren Jahren, und meistens wenn der Knabe die Zeit der Mannbarkeit erreicht, vorgenommen wird. Man bringt ein kleines, mit einem Läppchen umwundenes Stäbchen unter die Vorhaut, schlitzt sie mit einem scharfen Stein auf und reibt sodann den Saft einer Pflanze (Pahpa) in die Wunde ein. Obgleich zuweilen eine starre Entzündung entsteht, so soll diese doch meistens in zehn bis zwölf Tagen vorübergehen. Die Operation kann jeder verrichten, nur der Vater nicht. Der Operateur heißt Tahba; er wird so lange, bis jede Entzündung vorüber ist, im Hause des Operierten mit Schweinefleisch reichlich bewirtet und erhält auch überdies bei in Weggehen ein Schwein zur Belohnung. Reinlichkeit wird offenbar bei dieser Operation beabsichtigt."

Einen anderen Bericht über

Inzision

finden wir bei Krämer (p. 61 f.) :
"Die Beschneidung, bei der es sich nicht um Circumcision handelt, sondern um einfache Spaltung der Vorhaut, also Einschneidung am oberen Rande, wie allgemein in Indonesien üblich, wird so ausgeführt, daß man einen Spatel unter die Vorhaut schiebt und diese durch einen Schlag mit einem scharfen Gegenstand als Haifischzahn, Muschel, Bambusmesser, neuerdings natürlich mit Eisenmesser durchtrennt. Sie wird bei den samoanischen Jünglingen ähnlich wie bei den Mohammedanern, bei Eintritt der Mannbarkeit, stets zwischen dem 7. und 15. Lebensjahre ausgeführt. Religiöse Gebräuche wie bei andern Völkern ... scheinen auf Samoa nie mit der Operation, die meist von einem darin Erfahrenen ausgeübt wurde, verbunden gewesen zu sein. Das leitende Motiv, scheint für Samoa nur in der Reinlichkeit zu liegen, indem gesagt wird, daß kein samoanisches Mädchen mit einem Unbeschnittenen schlafen würde."

Während Krämer als Arzt den hygienischen Wert des Reinlichkeitsgedankens als ursprünglichen Grund zur Einführung der Beschneidung überhaupt anzunehmen und alles andere, wie religiöse Riten usw. als sekundär zu betrachten geneigt ist, sind

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die beiden Sarasin (p. 52 fl-.) hinsichtlich der Inzision, der sie auf Celebes begegnet sind, anderer Meinung:

"Zähneausschlagen (nur die Krone bei Knaben) ist gebräuchlich, indem zuerst angesägt und dann abgeschlagen wird. Die Knaben wählen die Zeit selbst. Da an allen Männern und Frauen die Operation vorgenommen wird, dürfte sie ursprünglich ein Opfer eines Teiles des Körpers gewesen sein, als Ersatz für den ganzen Körper, wie man das als Urgrund auch für die Beschneidung vermutet. Diese wird an allen Knaben vollzogen, indem man ihnen ein rundes Hölzchen unter die Vorhaut schiebt, und diese darüber der Länge nach spaltet; entfernt wird sie nicht, es ist Inzision nicht Zirkumzision. Man zeigte uns die Wunde, ein sehr harmloser, aber gegen etwaige Phimose sehr nützlicher Einschnitt."

Zeller (p. 132ff.) bemerkt hierzu:
"Die Durchstechung ist uns von den Karesau-Insulanern berichtet. Bei Anlaß dieser Operation führen sie allerdings an den älteren Knaben zugleich auch die Zirkumzision aus, bei den 11-13 jährigen Knaben bleibt es bei der Durchstechung.: Die Zirkumzision wird an ihnen auch später nicht mehr nach.geholt. Dieser operative Eingriff am Geschlechtsglied, der zudem noch mit einem auf den Totem hinweisenden Instrument, dem Kasuarknochen, vollzogen wird, kann nun gewiß nicht als "operativer Vorbereitungsakt auf die Sexualfunktion des Mannes" ausgesprochen werden. Da die Vorhaut auch nach diesem Eingriff die Eichel bedeckt und sich folglich mit Ausnahme von einigen Narben am Gliede nichts ändert,(1) kann es sich hier nicht um eine Korrektion der Natur handeln, wie Heinrich Ploß für jede Beschneidung als ursprünglichen Grund ansieht. Wollte man sich dieser Ansicht zuneigen, dann müßte in unserm Falle noch erklärt werden, warum die Zirkumzision bei den jüngeren Knaben überhaupt nicht ausgeführt wird, denn nur sie könnte eine Korrektion der Natur im Sinne von Ploß bedeuten. Für die Durchstechung muß der Grund auf einem andern Gebiete liegen.

1) Es findet insoferne eine Änderung statt, daß sich nun das Präputium ohne Hindernis zurückziehen läßt. (B.)

Die häufigste Art der Beschneidung ist die Zirkumzision. Sie ist zudem am bekanntesten, da auch die Juden diesen opera-

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tiven Eingriff an ihren Kindern vornehmen. Der Vorgang bei der Operation ist natürlich nicht bei allen Völkern der gleiche, doch handelt es sich immer um eine Abtrennung der Vorhaut. (1) Die Erklärungsversuche darf ich als bekannt voraussetzen. Ich muß zunächst einige Feststellungen machen: Wir haben in unserem ersten Teil keine einzige Zirkumzision, die ohne besondere Riten (2) vollzogen wird. Diesen Riten den religiösen Hintergrund abzusprechen, geht nicht wohl an. Sogar Ploß und Andree können sich diesen Tatsachen nicht verschließen, stellen aber die Behauptung auf, daß die religiösen Riten für den Ursprung der Beschneidung nicht in Betracht kommen, sondern erst nachträglich dazu gekommen seien. Ihr Erklärungsversuch setzt voraus, daß die Beobachtung und kühle Überlegung bei den Primitiven vor den religiösen Gebräuchen bestanden habe, denn die Korrektur der Natur als Ursprung der Beschneidung verlangt diese Annahme. Nun scheint mir aber ganz allgemein das religiöse Moment primär zu sein und das andere, wenn es überhaupt zu halten ist, sekundär. Wir werden uns mit diesen Zeremonien, die uns fast überall zum Totemismus führen werden, noch sehr eingehend beschäftigen. Einige Aufschlüsse geben uns noch die Handlungen, die mit der abgetrennten Vorhaut vorgenommen werden. Selten wird sie achtlos beiseite geworfen. Zumeist wird sie an einem besonderen Orte vergraben; dahin gehört auch die Vergrabung in einem Ameisenhaufen, wo die Ameisen die gänzliche Vernichtung übernehmen. Bei diesem Gebrauch mag in erster Linie die Furcht maßgebend sein, irgend ein Zauberer könne die Vorhaut bezaubern und dadurch dem ehemaligen Eigentümer großen Schaden zufügen. Auf das Geisterhafte weist aber der Brauch hin, die Vorhaut mit den Schwirren (Geisterstimmen) zusammen in eine Berghöhle zu versorgen, wie es Frobenius von den Durru berichtet. Eine ähnliche Versargung nehmen nach Frazer verschiedene Austral-Stämme vor, indem sie die Vorhäute in Totembäume, Totemfelsen und andere Totemzentren legen, welche als Aufenthaltsort der Seelen Verstor-

1) Nicht immer! Vgl. Merker über Massai, Luschan über Hottentotten, Bryk über Kikuyu. (B.)

2) Tessmann, Czekanowski, Krämer kennen Beschneidungsoperationen ohne Riten. (B.)

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bener gelten, die hier auf ihre Wiedergeburt harren. Bei den Hova muß der Vater die Vorhaut mit einer Banane essen oder sie wird in ein Banänenblatt eingehüllt einem Kalb zum Fressen gegeben.

"Wäre die Zircumzision wirklich nur ein Vorbereitungsakt auf die Zeugung, hätte es da einen Zweck, auf so merkwürdige Art mit der Vorhaut zu verfahren? (1)

1) Die kultische Behandlung der abgeschnittenen Vorhaut ist etwas ganz Sekundäres, später von der magischen Vorstellung der betreffenden Stämme Diktiertes. (B.)

Die Subinzision ist auf Australien beschränkt. Daß auch hier Ploß und Andree mit ihrem Erkärungsversuch nicht durchdringen können, braucht nicht näher ausgeführt zuwerden. Wir kennen schon die Ansicht von C. Strehlow über diesen Punkt und wollen nun noch die Meinung von E. Eylmann (2) anhören:
"Bleiben wir zunächst bei der Annahme, der Eingeborene hätte die Subinzision in.der Absicht eingeführt, einer Übervölkerung vorzubeugen. "Es wird wohl jedem einleuchten, daß der Eingeborene einzig und allein durch folgerichtiges Denken auf den Einfall, eine Spaltung des Gliedes werde zu einer Verminderung der Geburten führen, hätte gebracht werden können. In diesem Falle müßte er natürlich über die Bedeutung der Samenflüssigkeit unterrichtet gewesen sein. Diese Voraussetzung trifft aber nicht zu.

"Sehen wir uns deshalb nach einer anderen Möglichkeit um, die zur Penis-Verstümmelung geführt haben könnte. Wie wir wissen, muß sich der junge Bursch bei seiner Aufnahme in den Kreis der Männer bestimmten, Peinigungen unterwerfen, von denen mehrere bleibende Verunstaltungen hinterlassen. Zu Peinigungen gehört auch die Spaltung des Gliedes. Der Leser wird mir wohl nicht widersprechen, wenn ich behaupte, daß diese höchst schmerzhaft Operation lediglich (3) den Zweck haben könnte, die Burschen mit einem bleibenden Abzeichen zu versehen und sie durch hochgradige Einschüchte-

2) Erhard Eylmann, Die Eingeborenen der Kolonie Südaustralien, Berlin, 1908, p. 120ff.

3) Qui tacet consentire videtur, daher widerspreche ich und verweise u.a. auch auf meinen Erklärungsversuch. (B.)

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rung zu gehorsamen Mitgliedern des Bundes zu machen, oder, wenn wir lieber wollen, "ihren Mut und ihre Standhaftigkeit zu erproben."

"Missionäre von Hermannsburg und Kitalpanina behaupteten mir gegenüber, die jungen Burschen der Stationen ließen sich nach der Subinzision nicht so oft Vergehen gegen die Sittlichkeit zu schulden kommen, als vor derselben, selbst wenn sie als "young men" noch jahrelang unverheiratet blieben.(1) Sollten sich die Missionäre nicht getäuscht haben, so könnte man aus ihrer Beobachtung den Schluß ziehen, daß die geschlechtliche Erregbarkeit durch die Spaltung des Penis herabgesetzt würde."

1) Wieder ein falscher Schluß, indem aus der angeblichen Wirkung auf eine falsche Ursache geschlossen wird. Durch die offizielle Aufnahme in den Kreis der Männer wird jeder Beschnittene (auch in Africa) ernster; er hat die Kleider der Flegeljahre abgelegt, sein Lebenslauf ist nun geregelt. (B.)

Strehlow und Eylmann gehen also im großen und ganzen einig, namentlich in der Ablehnung der Geburtenverminderung als Ursache der Subinzision. Wichtig ist der Punkt, daß sich die Jünglinge nach der Subinzision nicht mehr so viele sittliche Vergehen zu schulden kommen lassen, wie Eylmann berichtet. Strehlow gibt als Grund zur Beschneidung gerade diesen Punkt d. h. die Eindämmung der geschlechtlichen Vergehen der Jugend an.

"Als letzte Art der Beschneidung ist die einseitige Hoden-Exstirpation zu erwähnen. über die Glaubwürdigkeit der Quelle brauche ich kein Wort mehr zu verlieren. Die Bedeutung dieser Beschneidung drängt sich von selbst auf. Es ist eine Kastration, trotzdem ja nur ein Hoden ausgeschnitten wird.

"Damit geraten wir von selbst auf den psycho-analytischen Erklärungsversuch der Beschneidung im weiten Sinne. Wir kennen ihn schon, doch sei er der Wichtigkeit wegen in aller Kürze wiederholt. Die Psycho-Analyse sieht in der Beschneidung ein unbewußtes Kastrations-Symbol, das die zum Inzest mit der Mutter hinneigenden Knaben verhindern soll, ihrem unbewußten Wunsche nachzuleben. Die Beschneidung (Kastration) wird von den Männern ausgeführt, da sie sich durch die unbewußten Wünsche der Knaben, die ja auf ihre

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Frauen (1) gerichtet sind, bedroht fühlen. Durch diesen Akt wird der Beischlaf, somit auch der inzest symbolisch unmöglich gemacht und die feindlichen Regungen gegen die Väter werden zwecklos. Wie wir gesehen haben ist für die Hoden-Exstirpation das Kastrations-Symbol gegeben.

1) Der Beschnittene, gleichviel ob verheiratet oder unverheiratet, richtet erst recht seine Wünsche auf fremde Frauen; vgl. Bryk, Neger,-Eros, p. 61. (B.)

"Bei der Subinzision bedarf der von Strehlow und Eylmann allerdings abgelehnte Erklärungsversuch, daß damit eine Verminderung der Geburten erzielt werden solle, nur der Abänderung, daß damit der Geschlechtsakt symbolisch überhaupt verhindertwerden soll.(2) Dann haben wir auch hier das Kastrations-Symbol. Diese Behauptung bedarf aber noch einer Stütze, die uns Strehlow mit seinen ihm von den Eingeborenen selbst angegebenen Gründen für die Zirkumzision und Subinzision gibt. Danach müssen die in die "Flegeljahre" eintretenden Knaben durch die Beschneidung unter die Botmäßigkeit der Alten gebracht werden; sie müssen zum Gehorsam erzogen werden. Die Männer bekämpfen also die aus den feindlichen Regungen herrührende Unbotmäßigkeit. Hätten sie die Beschneidung nicht, so würden die Jungen die Stammesgenossen ermorden und auffressen (3). So berichtet die Sage von den Habichtsmännern. In die Psycho-Analyse übersetzt heißt diese Deutung: Wenn ihr Männer den Knaben nicht beschneidet (kastriert), so wird er seinen feindlichen Impulsen folgen, euch töten und auffressen, wie es die Söhne in der Urhorde mit ihrem Vater getan haben.

2) Da die Subinzision bei allen Männern ausgeführt wird, so würde, nach Zeller, durch sie der ganze Stamm symbolisch am Geschlechtsakte verhindert werden, was Zeller kaum als beabsichtigt annehmen könnte.

3) Bei allen anderen primitiven Völkern, die die Beschneidung nicht kennen oder abgelehnt haben, kommt man auch ohne Beschneidung aus. (B.)

"lm weitern soll die Beschneidung den geschlechtlichen Ausschweifungen der im gefährlichen Alter stehenden Knaben einen Damm setzen. Daß in dieser Zeit der Geschlechtsreife die Neigung zum Inzest besteht, was die Männer gerade befürchten und verhindern wollen, ist bei dem Trieb zum Inzest, der bei den Australiern stark sein muß, wie die komplizierten Heiratsverbote dartun, leicht verständlich Durch

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eine Kastration würde ein endgültiger Damm gesetzt. Es muß aber aus Gründen der Fortpflanzung beim Symbol bleiben. (1) Die zwei hier beleuchteten Punkte zeigen deutlich, daß die Beschneidung eine feindselige Handlung an den Knaben ist..
"Die zwei folgenden Punkte entspringen der Zuneigung zu den Knaben, denn es heißt, daß die Zircumzision das Zusammenwachsen des Präputiums verhindern und daß die Subinzision die Knaben geschmeidig machen solle. Die Ambivalenz der Gefühlsregungen macht sich geltend.

1) Also muß die Kastration aufgegeben werden; das Symbol eines Surrogates ist wohl nicht effektiv, das ganze eine Komödie, hinter die der inzestuöse Mensch leicht kommen muß. (B.)

"Punkt fünf gibt uns in einigen Zügen eine Kopie der Freudschen Urhorde. Dort beansprucht der Vater alle Weibchen für sich, hier sind es die alten Männer, die alle junge Mädchen und Frauen für sich behalten und den Söhnen lange überhaupt keine und dann erst noch eine alte Frau zuteilen. Es ist klar, daß die alten Männer, die die Macht haben, einen Brauch, der ihnen solche Privilegien gibt, nicht fallen lassen. Auf der anderen Seite müssen natürlich bei den Jungen, die sich der Heiratsmöglichkeit auf lange Zeit beraubt sehen, die feindlichen Regungen gegen die Männer, welche ihnen die Frauen vorenthalten, äußerst stark sein, ebenso wie ihr unbefriedigter Geschlechtstrieb. Die Gefahr für die Männer ist also hier bedeutend größer, als bei anderen Völkern, wo solche Beschränkungen nicht bestehen. Möglicherweise liegt darin der Grund, daß wir bei den Australiern zwei Beschneidungen, die Zircumzision und die Subinzision in Anwendung finden, während letztere sonst nirgends ausgeführt wird.
"Betrachtet man den Erfolg der Beschneidung, so ergibt sich wie Eylmann berichtet, tatsächlich die von den Vätern gewünschte Wirkung. Die sittlichen Vergehen, worunter vielleicht Inzest-Vergehen inbegriffen sind, kommen nicht mehr so häufig vor; der Trieb dazu ist eingedäinmt worden. Somit bewirkt das Symbol der Kastration eine notwendig in der Richtung des Sexualtriebes liegende Einschränkung.
" Es ist naheliegend, daß es sich bei den Australiern urspränglich keineswegs um einen Vorbereitungsakt auf die Sexualfunktion handeln kann. "Auch die Durchstechung, die ja bei den älteren Knaben mit

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der Zirkumzision verbunden ist, läßt sich als Kastrations-Symbol nachweisen, indem sogleich nach der Operation den Kandidaten, auch den schon verheirateten, jeglicher geschlechtlicher Verkehr für eine gewisse Zeit ausdrücklich verboten (1) wird. Hier wird also die Wirkung, welche die Beschneidung als Kastrations-Symbol haben sollte, durch ein Verbot künstlich erzeugt. Gerade dieses Verbot zeigt deutlich, was die Väter eigentlich wünschen. Die während der Weihe der Knaben auferlegte Enthaltsamkeit oder, wie man auch sagen könnte, die aufgezwungene sexuelle Impotenz verhindert sie ebenso, den Inzest zu begehen, wie es eine völlige Kastration täte. Dieses Verbot ist zeitlich auf die Weihe beschränkt, da es nachher nicht mehr nötig ist, wenn die Knaben die infantilen Regungen verdrängt und sich mit den Vätern identifiziert haben. - Das Moment der von den Vätern auferlegten sexuellen Enthaltsamkeit ist sehr wichtig, da es in den meisten Knabenweihen vorkommt.

1) Dieses Verbot erstreckt sich fast überall für alle Neubeschnittenen bis zur völligen Heilung. (B)

"Wenden wir uns noch nun den übrigen ... bekannten Erklärungsversuchen zu. Wir haben da zunächst die Gruppe der Forscher H. Ploß, R. Andree, H. Schurtz und L. Frobenius. Alle huldigen mit wenigen Abweichungen derselben Ansicht. Wir sind schon ohne Psycho-Analyse dieser Meinung entgegengetreten. Die Psycho-Analyse lehnt aber diese Erklärungsversuche nicht direkt ab. Wenn die Eingeborenen selber erklären, daß die Beschneidung den Zeugungsakt erleichtern, vielleicht sogar die Wollust erhöhen soll oder aus hygienischen Gründen vollzogen wird, so ist diese Motivierung nicht von vornherein von der Hand zu weisen.

"Gibt nun die Psycho-Analyse die Berechtigung dieser Motivierungen zu, so huldigt sie zwei Meinungen, die zunächst unvereinbar, ja sogar einander entgegengesetzt erscheinen. Durch die Ambivalenz der Gefühlsregungen, die in der Seele dei, Väter besteht, wird aber der Gegensatz leicht aufgehoben. Durch jahrhundertelange Verdrängung sind bei den meisten Völkern die feindlichen Regungen in den Vätern ins Unbewußtsein vertrieben worden und nur die freundlichen treten jetzt zutage. Heute erklären die Primitiven die Beschneidung

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als einen freundschaftlichen und wohlwollenden Akt, der den Knaben nützlich und wohltätig ist.

"Somit stützen sich Ploß und seine Anhänger in ihren Erklärungen nur auf die freundschaftliche Seite der Ambivalenz, während die Psycho-Analyse beide Seiten berücksichtigt. ... Es sind also auch heute noch beide Seiten der Ambivalenz zu konstatieren und schon aus diesem Grunde geht es nicht an, einen Erklärungsversuch aufzustellen, der sich nur an eine Seite hält.

"Der Erklärungsversuch von Otto Stoll wird uns nicht lange beschäftigen. Er sieht in der Beschneidung nichts anderes, als eine der vielen Arten von Quälereien, welche die Knaben während der Weihe auszustehen haben. Das Geschlechtsglied ist einfach ein Angriffspunkt mehr für blutige Eingriffe, - ... Mit dieser Ansicht steht Stoll ziemlich vereinzelt da."

Man könnte nicht alle anderen Quälereien mit der Beschneidung auf eine Stufe stellen. Daß auch jede der anderen Martern psychisch besonders determiniert ist, sei hier nebenbei erwähnt. In einigen Punkten ist Zeller mit dem Erklärungsversuche von B. Renz einverstanden; er stellt den religiösen Standpunkt der Beschneidung fest und befindet sich damit auf einem gleichen Boden. - Zeller schreibt weiter:
"Dann folgt die Ansicht, daß das sexuelle Moment für den Akt der Beschneidung maßgebend sei. Es handle sich dabei um einen Akt des Geschlechts- bezw. Fruchtbarkeits-Kultus."
"Die Psycho-Analyse lehne keineswegs eine solche Auffassung ab, nach ihr sei sie aber nicht die alleingültige, weil auch die andere Sitte derAmbivalenz berücksichtigt werden müßte ...
Weiter heißt es dann:
"Es ergibt sich hier die interessante Feststellung, daß je mehr die freundliche Seite der Ambivalenz sich ausbreitet, desto mehr wird die feindliche ins Unbewußte verdrängt und desto höher steht das Volk kulturell. Wichtig ist dabei der Hinweis auf Australien, wo sich freundliche und feindliche Seite gewissermaßen noch die Stange halten. ... Der Bundesgedanke, den Renz als Grund für die Beschneidung anführt, kommt wiederum elter der ganzen Weihe, zu, indem die zugleich Eingeweihten dadurch ihr ganzes Leben miteinander verbunden bleiben. Die Beschneidung spiele in diesem Bunde

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insofern eine Rolle, daß sie das Bundeszeichen liefere. Obschon Blutsverbrüderungen vorrkommen, wie wir noch sehen werden, scheint mir doch. die Beschneidung nicht so motiviert werden zu können. Der Bundesgedanke tritt ja am ausgeprägtetsten bei der jüdischen Beschneidung auf, wo dieser den Bund mit dem Einen Gott darstellt. Man muß sich aber hüten von einer Beschneidung aus, die nur mehr ein Relikt einer ehemaligen Knabenweihe ist und zudem von einem auf einer hohen Kulturstufe stehenden Volke ausgeführt wird allgemeine Schlüsse zu ziehen."

Auch als ursprüngliches Stammeszeichen kann Zeller die Beschneidung nicht gelten lassen. Es sei doch ein häufiger Fall, daß bei der großen Verbreitung der Beschneidung alle Nachbar-Stämme ein gleiches Stammeszeichen haben. Der Ansicht, daß die Beschneidung als Wiedergeburt aus dem Magen eines Geistes welcher durch allerlei Isolierhütten usw. dargestellt wird, aufzuweisen sei, wie sie Frazer und Renz verfechten, kann Zeller nicht beipflichten und zwar aus dem Grunde, weil in den meisten Fällen zuerst die Beschneidung kommt und dann erst die Isolierung von der Außenwelt erfolgt. Frazers andere Argumente zur Stützung der Wiedergeburt-Theorie wurden von Zeller ebenfalls kritisiert. Er möchte in allen statt der Wiedergeburt eine symbolische Tötung des Jungen im Beschneidungsakte erblicken. Zeller setzt fort:
"Mit dieser Auffassung der Beschneidung als Tötungs-Symbol gehe ich weiter als es die Psycho-Analyse tut. Sie sieht in der Beschneidung nur ein Kastrations-Symbol und nicht eine Tötung ... Die Behandlung der Vorhaut nach der Beschneidung und andere Zeremonien müssen zu der Ansicht führen, daß die Beschneidung neben dem Kastrationspünkt auch ein Tötungssymbol. darstellt. Sie ist auch eine Opferung des Knaben und gehört demnach ebenfalls in das Kapitel des Haarabschneidens, der Zahn-Operationen, die Eingriffe am Ohrläppchen und am Septum usw. ... Nur wenige Quellen erwähnen etwas über die Behandlung der Wunde." Meistens wird die Heilung der Natur überlassen, selten ergreifen die Angehörigen Maßnahmen, um den Heilungsprozeß zu erleiehtern oder zu beschleunigen. In dieser Nichtbehandlung der Wunde liegt eine Absichtlichkeit, denn für andere Verwundungen kennen die Primitiven sehr wohl Heilmethoden.. Wenn

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uns aber zwei Quellen berichten, daß die Wunde nicht nur nicht behandelt, sondern sogar durch besondere Kräuter vergiftet wird und den Kandidaten dadurch unerträgliche Schmerzen zugefügt werden, so sicht das gewiß nach absichtlicher Quälerei aus. (1)

1) Hier geht Zeller zu weit. Wer die ursprüngliche Zubereitung der Nahrung der Primitiven kennt, die hauptsächlich aus giftigen Pflanzen besteht oder bestand, der müßte analog schließen, die Weiber, 'die'die Speise-zubereiteten, wollten ihre Männer vergiften. Daß die Antiseptica wie Vergiftungen wirken, mag wohl auf den sehr primitiven Zustand der Heilkunde deuten, berechtigt jedoch noch nicht zu solchem Trugschlusse, wie ihn Zeller zieht. (B.)

Seinen psycho-analytischen Erklärungsversuch faßt Zeller folgend zusammen:
"Die Beschneidung ist dort, wo sie geübt wird, stets in den Pubertätsjahren ausgeführt worden. Wo sie heute in den ersten Lebensjahren oder Monaten vorgenommen wird, hat eine sekundäre Verlagerung des Brauches stattgefunden. Die Beschneidung ist ein Symbol für die Kastration, zugleich aber auch,ein Symbol für die Tötung und Opferung des ganzen Menschen.

"Die Zahn-Operationen bedeuten eine Opferung des Geschlechtsgliedes und im weiteren Sinne eine Opferung des ganzen Menschen. Sie sind Ersatzhandlungen für die Beschneidung. Mit dem Haarabschneiden wird ebenfalls eine Opferung des ganzen Menschen symbolisch dargestellt.
"Die Tätowierung ist ursprünglich als typische Ouälerei eine feindselige Handlung der Väter gegenüber den Knaben. Sie hat sich im Laufe der Zeit zu einem Stammeszeichen und einem Verschönerungsmittel entwickelt.
"Die Quälereien und Martern sind ursprünglich ebenfalls feindselige Handlungen der Väter gegenüber den Knaben als Strafe für ihre unbewußten Inzest-Gelüste und Mord-Absichten. Durch säkulare Verdrängung ist aber die feindliche Seite der Ambivalenz der Gefühlsregungen in den Seelen der Väter mehr oder weniger ins Unbewußte geraten, so daß heute in der Hauptsache nur mehr die freundliche Seite bewußt auftritt. Sie erklärt diese Quälereien als Mut- und Standhaftigkeits-Proben, die zur Abhärtung der Knaben dienen. Beide Erklärungen zusammen haben also Geltung, nicht aber eine allein. Die Tötungsriten, zu denen neben dem direkten Sym

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bol des Verschlingens auch die indirekten Symbole der Absonderung, des Schlafes, des Schweigens usw. gehören, sind die Wiedervergeltung, welche die Väter unbewußt an den Söhnen für deren Mord-Absichten ausüben.. Wo die symbolische Tötung durch ein Ungeheuer oder einen Geist geschieht, identifizieren sich die Männer mit diesem.

Der Geist, welcher über der Knabenweihe steht, ist in den meisten Fällen ein Totem durch ein Ungeheuer oder sonst eine Ahnenfigur. Es ergibt sich daraus, wie auch aus anderen Riten, daß das religiöse Moment ursprünglich ein Hauptbestandteil jeder Knabenweihe gewesen ist.

Opferungen und Opfer-Mahlzeiten betreffen meistens Totem-tiere. Es soll durch die Übertretung des Verbotes, Totemtiere zu töten und zu essen, eine enge Verbindung zwischen den schon Eingeweihten und den Novizen entstehen.

Unter den Belehrungen, welche die Jungen erhalten, spielen die sexuellen eine große Rolle. Namentlich wird der Inzest strenge verboten. Der Grund dafür liegt in der Furcht der Männer vor diesen Gelüsten im Knaben, deren Auswirkung ihnen gefährlich werden könnte.

Der Tanz-Unterricht bezweckt die Herbeiführung einer Identifikation der Knaben mit dem Geiste der Weihe.

Das Wieder-Erscheinen der Knaben aus der Absonderung in Form einer Wiedergeburt entspricht der primitiven Ansicht, daß die Seele eines Toten nur durch eine wiedergeburt wieder zum Leben gelangen kann, indem sie in den Körper des Neugeborenen eindringt.

Die Knabenweihe in der Gesamtheit bedeutet einen großen, den Knaben von den Vätern auferzwungenen Verdrängungsprozeß, dessen Durchführung zur Erhaltung des sozialen Verbandes notwendig ist."

Die Ethnologen haben Zellers Erklärungsversuch abgelehnt. (Anckermann.)
Wir haben uns absichtlich so ausführlich wie möglich mit den Knabenweihen, bezw. mit den aus ihnen abgeleiteten psychoanalytischen Spekulationen, befaßt, weil ohne sie das Problem der Beschneidung nur einseitig beleuchtet wäre. Die Beschneidung ist nun einmal mit den Knabenweihen auf das Engste verbunden und darf somit aus diesem historischen Zusammenhange nicht gerissen werden. Sie bildet heute das Hauptmoment der

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Knabenweihe. Wenn wir uns aber trotzdem der Auffassung der psycho-analytischen Schule nicht anschließen, so geschieht dies aus dem Grunde, weil wir glauben, nachweisen zu können, daß die Beschneidung selbständig, und nicht als eine Folge der Knabenweihen aus ihnen, entstanden ist: aus rein physiologischen und psychologischen Momenten, die die Seele des primitiven Menschen beherrschen. Zuvor müssen aber noch die übrigen Erklärungsversuche kurz behandelt werden.

Nur auf Einzelfälle paßt der neueste Erklärungsversuch von Preuss (11):
"Langes gedeihliches Leben auf Erden scheint bei den Initiationsfeiern mit dem Weiterleben im Jenseits als selbstverständliche Folge verbunden gewesen zu sein. Das logisch zum Tode führende sexuelle Element wird durch die Zeit der Feier während oder vor der Geschlechtsreife gekennzeichnet. Beschneidungen irgendwelcher Art an den Genitalien, soweit sie bei anderen Völkern vorkommen, brauchen demnach zunächst keine andere Idee einzuschließen, als die, ein Abzeichen und Gewähr zu sein, daß der Beischlaf ohne die Folge des Todes vor sich gehen könne."

Fragt man einen Neger, warum er sich beschneidet, so gibt er meistens keine Antwort, weil er es nicht weiß. In vielen Fällen gibt er als Grund ein aesthetisches Motiv an: (Bryk, l p.55),es geschehe, weil es "maridati", weil es schön sei: also im weiteren sinne, weil es erotisch schön wirkt. Wenn auch sicher darin eine Erkenntnis liegt, die sich aus dem Beschneidungsbrauche ergibt, so ist die Erklärung an und für sich "magischer" Natur, weil sie Wirkung mit Ursache verwechselt. Eine ähnliche Erklärung erhielt Ludolf (Lib. III, c. I) vom abyssinisehen König Claudius:

"Verum circumcisio nostra secundum consuetudinem regionis fit, sicut incisio faciei in Aethopia & Nubia et sicut perforatio auris apud Indos. Id autem quod facimus non (facimus) ad observandas leges Mosaicas, sed tantum propter morem humanum."

Also wird die Beschneidung ausdrücklich in die Reihe von künstlichen, körperlichen Zierarten, Schmucknarben oder Ohrdurchlöcherungen gestellt und nicht aus religiösen Gründen geübt. Noch Westermarck faßt sie rein ästhetisch auf. "Die Verstümmelungen hörten, nachdem die Augen sich daran ge-

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wöhnt hatten, allmählich auf, fesselnd zu sein und ihre Vornahme wurde bloß infolge des Zwanges der Gewohnheit oder aus einem religiösen Beweggrund fortgesetzt", bis sie von einem neuen Reizmittel, der Kleidung, abgelöst wurde. (Westermarck p. 204.)

Andrerseits wird von vielen Völkern, die sich nicht beschneiden, der beschnittene Penis als häßlich empfunden. Die Antike hebt stets in ihren klassischen Bildwerken die lange Vorhaut besonders hervor, und noch in allerjüngster Zeit versuchte Doiteau auf Grund einer Enquete, an der sich besonders Künstler beteiligten, den Nachweis zu erbringen, daß der Penis mit dem rüsselartigen Fortsatze des Präputium ästhetisch wertvoller wirke als der beschnittene. Aus diesem Grunde erfand Doiteau (p. 73, f. 13) sogar ein neues Verfahren der medizinischen Beschneidung, bei der auch diese Note ästhetischer Bewertung des nicht enudierten Penis zur Geltung kommt: der beschnittene Penis soll möglichst einem normalen (= unbeschnittenen) gleichen. Schon Zacharias, Bischof von Chrysopolis, erklärte die Vornahme der Beschneidung just am Membrum mit der Absicht, kein anderes sichtbares Glied schwach oder häßlich zu machen,
("ne aliud membrum aut debile fieret aut turpe, quid publice videretur")
und wollte - auffallend genug --- im Präputium den Sitz der bösen, Lust
("... in parte illa magis dominatur cupiscentia")
erkannt haben. (Glasberg, p. 214 (nota 1)).

Auch v. Sydow leugnet die ästhetische Wertschätzung des beschnittenen Gliedes.
v. Sydow (p. 141) meint, man hätte eigentlich mit dem Hinweis auf andere künstliche Reformationen menschlicher Körperteile, etwa das Durchbohren der Ohren und Lippen, um dort Ringe und Pflöcke einzupressen, auch wie,dort bei der Beschneidung eine ästhetische Einstellung feststellen können. v. Sydow setzt fort:
"Während diese [Deformationen] nämlich dazu dienen, dem jeweiligen Organ eine besondere Zierde im Lippenpflock, Ohrring usw. zu verleihen, also das Organ künstlich zu bereichern, scheidet dieser ästhetische Gesichtspunkt bei der Behandlung des männlichen Geschlechtsorganes mit wenig Ausnahmen vollkommen aus - nicht um Schmückung, son-

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dern um eine Verletzung (1), die ihm beigebracht wird handelt es sich! Gewiß ist dies Organ, wie kein anderes, unvorbereitet, als besonderer Schmuckträger zu dienen. Aber es erscheint eigentlich frappant, daß man nicht immer mit ornamentierten oder sonst. kunstreich hervorgehoben Penisstulpe usw. mit größerer Betonung auf das wichtigste Glied am männlichen Körper hinweist (vgl. über Penisstulpe u. a. F. Luschan in Mitt.d. Anthr. Ges. Wien, 48 Bd. 1918, S. 67). Die Barockzeit Europas hat bekanntlich vor solcher Sichtbarmachung in der Kleidung keinerlei Scheu getragen. Vergleicht man die Sorgfalt, mit der die Naturvölker sonst jedes ihrer Gliedmaßen zu schmücken flegen, mit dieser fast feindselig anmutenden Freude an der Verletzung des Phallus, so wird man gern die von psychoanalytischer Seite aufgestellte Theorie beachten, welche in der Beschneidung eine Gegenwehr der alten Generation gegen Inzest- und Mordwünsche des heranwachsenden Geschlechtes sieht." (Th. Reik und M. Zeller werden angeführt.) "Ob die umfassendere Problematik naturvölkischer Riten in allgemeingültiger Weise mit solcher Theorie aufgehellt Wird, kann für uns dahingestellt bleiben. Das Wichtigere ist ;die Frage nach dem Grunde der beharrlichen Unlust, das männliche Glied durch Schmuck auszuzeichnen. Selbst wenn man jene Pubertätsriten für geklärt erachtete, bleibt noch zu erklären, warum nicht späterhin die altgewordene Generation ihren eigenen Organen an Schmuckfreude zuteil werden läßt, was sie, aus Furcht, bei der jüngeren Generation unterdrücken möchte. Woran liegt der lebenslange Mangel in Schmuckfreude gerade bei dem wichtigsten Organ?

"Wir können uns mit dem Hinweis auf die Ausführungen der Psychoanalytiker begnügen, die in ihren Studien über die Naturvölker darauf hingewiesen haben, daß in der naturvölkischen Kultur der Beginn der Verdrängung der Sexualität zu finden wäre. Dieser Prozeß ist es wohl, dem wir es zuschreiben müssen, daß mit besonderer Hartnäckigkeit dem männlichen Geschlechtsorgan die ästhetische Wertschätzung verweigert wird, auf welche es, logisch betrachtet, in hervorragendstem Maße Anspruch hatte."

1) Daß auch Verletzung schmückend wirken mag, läßt der Verfasser außer acht; ich erwähne bloß in diesem Zusammenhange die weit verbreiteten Schmucknarben. (B)

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Bei der Besprechung der Zahnverstummelungen (p. 146) kommt v. Sydow nochmals auf das eben angeführte Thema zurück. "Diese Zahnverstummelungen, die zum Teil einen sehr weitgehenden Umfang haben, führen zurück zu der Beschneidung. 'Denn sie haben mit dieser die Gemeinsamkeit, daß sie großen Teils keine Bereicherung und keine ästhetische Handlung bedeuten, sondern vielmehr das Gegenteil. Zahn und Phallus stehen nun in einer besonders engen Beziehung, insofern in Träumen der Zahn das männliche Glied symbolisiert. (Freud: "'I'raumdeutung", ges. Sehr., 111, 103 ff.). Haben wir uns veranlaßt gesehen, in der Beschneidung den Ausdruck der Verdrängung zu erblicken, so haben wir allen Grund, das gleiche motiv als innersten allgemeinsten Grund für die Zahnverstümmelungen zu behaupten. In beiden Fällen äußert sich die Antipathie gegen das Sexuelle auf so radikale Art, als es die Rücksicht auf Lebenserhaltung noch gerade zuläßt."

Der aesthetische (erotisierende) Trieb ruht nicht; schließlich wird bei Ausbreitung der Tatuierungssitte auch die Glans in die Sphäre der zu verzierenden Körperflächen einbezogen. Hierüber berichten u. a. Gerland, Joest und Adachi. Auch die Penisfutteralle werden aus ähnlichen Motiven getragen.

Nach Gerland (Waitz) ist es auffallend, "daß die Polynesier so ungemein schamhaft in Beziehung auf die Eichel sind und dennoch pflegen sie dieselbe durchaufschlitzung der Vorhaut zu entblößen und z. T. (in Tonga) die dadurch erst entblößte Eichel zu tätuiren."

Nach Gerland liegt der Scheu vor dem Anblick der Eichel nicht Sittsamkeit, sondern Religiosität zu Grunde dieser Teil war Tabu und sein Anblick ein Frevel. Gerland meint die Eichel habe man als vorzüglich lebenspendendes Glied, wie den Nabel (der auch Tabu wird) als Ausgangspunkt des Lebens betrachtet, daher hat man diese Teile ursprünglich mit dem Bilde oder Zeichen des Gottes versehen.
"Man schlitzte die Vorhaut auf, um den den Göttern besonders heiligen, lebensspendenden Teil nicht zu verhüllen, aber wohl erst viel später, als sich die polynesische Eigentümlichkeit streng entwickelt hatte, band man ihn wieder zu, um den Teil, der wegen seiner Heiligkeit streng Tabu, d. h. den Göt-

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tern angehörig war, den Blicken der Menschheit zu entzichen, damit kein Bruch des Tabu entstehe." (1)

1) Bei den Einwohnern von Nukahiwa wird die Vorhaut über die Glans vorgezogen und mit einer Schnur zugebunden (vg . U. Lisiansky, p. 86). (B.)

In einer Fußnote bemerkt hierzu Waitz: "Auch die jüdische Beschneidung ist im wesentlichen nicht anders aufzufassen. Man sicht hier deutlich den Zusammenhang: für die versprochene Nachkommenschaft wird Gott das lebensspendende Glied geweiht."

Joest (p. 66) erwahnt ebenfalls, daß die Genitalien tätowiert werden. Adachi (p. 356) berichtet über einen japanischen Würfelspieler, der auf seiner Eichel drei kleine, blaue Punkte hatte, die sich bei der Erektion als drei Mücken erwiesen. Er war besonders stolz auf diesen Zierrat, weil er sich die Tätowierung am eregierten Gliede machen ließ

Warum oder wieso die entblößte Eichel als aesthetisch wertvoll betrachtet wird, das wird sich bei Behandlung des phallischen Motives ergeben. Jedenfalls sei schon in diesem Zusammenhange erwähnt, daß die Beschnittenen nicht ungern ihre Genitalien zur Schau tragen. 'Ich sah wiederholt beschnittene Sebeyi im Gespräch mit Frauen mit ungeniert aus ihrer "Toga" hängendem Penis. Und nach Johnston gehört dieser Exhibitionismus sogar zum guten Tone bei den Massai (Westermarck, p. 187).

K. T h. Preuß hat aus der Tätowierung der Glans einen originellen Erklärungsversuch, der rein magischer Natur ist, abgeleitet: "Betrachten wir zunächst den Fall der Tätowierung von Geschlechtsteilen --- und wir mussen dabei zugleich in die Körperteile in der Nähe der Geschlechts-Organe bis zum Oberschenkel und zum Bauchnabel denken. Da ist es zunächst notwendig, sich von der Idee frei zu machen, der Urmensch habe diesen natürlichen, tierischen, Prozeß, der fast so gewöhnlich ist wie der Stoffwechsel entsprechend als etwas selbstverständliches, Natürliches angesehen. Richten sich doch alle zauberischen Pubertätsgebräuche, die wir kennen gelernt haben, in erster Linie auf den geschlechtlichen Akt. Und es ist bezeichnend, daß gerade unmittelbar vor dem Coitus Reinigungen - offenbar zur Erhöhung der Zauberkraft - statt-

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finden. Der Akt war also etwas Zauberisches, sowohl der damit verbundenen Erregungszustände wie der Ergebnisse des Beischlafs wegen."

"Wenn wir also die Schamteile tätowiert finden, so müssen. wir an alle diese Zauberwirkungen der Geriital-Offnungen, vorzugsweise natürlich an den "Zauber" der Kinder-Erzeugung denken, die bei der Pubertät auf einmal mitgeteilt -werden sollen. Und wenn nicht etwa der Glaube bestand, daß der Jüngling die Zauberkraft durch die Zeremonien ganz und gar neu erhalte, so doch mindestens die Idee, man müsse die latenten Zaubereigenschaften durch nachhelfende Zaubermittel zur funktion wecken und sie erhöhen. Mit einem Schlage werden da z. B. die verschiedenen Arten der Beschneidung klar, die auf ganzen Welt zu finden ist. Wird doch noch heute hier und da von den Eingeborenen direkt angegeben, daß sie zur Kinder-Erzeuguiig helfe."

Selbst "Scheu vor der Prima nox" wurde in einen Zusammenhang mit der Baschneidung gebracht. (Honigmann.)

Ganz eigenartig, wenn auch im Sinne einer physiologischen Erklärung, klingt die Deutung Dr. Jacobus X..., der die beträchtliche Länge des Negerpenis ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis von der Beschneidung setzt.

Genauere Angaben über die Länge des Penis der Neger findet man beim französischen Arzte Jacobus X .... Trotz seiner beträchtlichen Länge (-Jacobus X ... bezeichnet daher diese "wahrhaft fürchterlichen Maschinen als Schrecken aller schwarzen Weiber" -) schwillt der penis verhältnismäßig schwach und wird auch nie so hart wie beim Europäer, dem Hindu und Chinesen, sondern bleibt vielmehr so weich wie ein schwarzer, elastischer Kautschuk.

Als wahrscheinliche Ursache solch starker Penisausbildung sieht Jacobus X. die Beschneidung an.

Karsch (p. 123) bemerkt hierzu:
"Da jedoch Beschneidung auch bei vielen Völkern üblich ist, ohne zu annähernd ähnlicher Bildung Anlaß zu geben, wird wohl dem Rassencharakter der wesentliche Einfluß zuerkannt werden müssen."

Nach Jacobus X... wird unter der Negervorhaut nur eine geringe Menge talgartigen Smegmas angetroffen; er läßt es da-

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hingestellt, ob Sauberkeit oder eine physiologische Eigentümlichkeit die Ursache davon sei. Die noch unbeschnittene Vorhaut bildet beim Neger ein der Eichel vorgelagertes Polster.

Die Verfechter der Cui-bono-Erwägung, die hinter jeder menschlichen Einrichtung stets den Nützlichkeitsgedanken wittern, haben wir bereits erwähnt. Für sie steht die Utilität im Vordergrunde; sie bestimmt die Beschneidung, die den Zweck hat, prophylaktisch verschiedene Krankheiten (Phimose, Eicheltripper, Balanitis usw.) abzuwehren. Der Erklärungsgrund von Michaelis und Sachtleben geht noch weiter, er erblickt in der Beschneidung ein Verwahrungs und Heilmittel der Masturbation. Michaelis (p. 39) erfuhr von einem anonymen "Kenner der Natur", . daß die Beschneidung die Selbstbefleckung verhindere ... die Selbstbefleckung sei den Beschnittenen vermutlich zu schmerzhaft. Anknüpfend an diesen heilsamen Befund fragt Michaelis:

"warum Gott ein wohltätiges Gebot, das das Verwahrungsmittel gegen ein so schreckliches und durch die größte Sorgfalt der Eltern und Aufseher nicht gewiß zu hinderndes Laster vorschrieb, im neuen Testament abgeschafft hat und nicht lieber durch die christliche Religion allgemein gemacht habe? oder warum er nicht unsere Natur in der ersten anlage besser geschaffen, und bei Menschen zur Regel gemacht habe, was jetzt nur seltene Ausnahme ist, ohne hervorstehende Vorhaut geboren zu werden?"(1)

1) Diese Erwägung erinnert uns an die Frage der Skeptiker (Origines) und die an Rabbi Hosajah (laut Beraschith Raba, Kap. II) gestellte, warum Adam nicht gleich ohne Vorhaut geboren wurde. "Der Mensch" so-lautete die Antwort des Weisen, "muß sich selbst vollenden und zu dem machen, was er von der Natur sein soll." - übrigens hat schon Darwin - wahrscheinlich auf Grund einer ähnlichen falschen Fragestellung - darauf aufmerksam gemacht, daß trotz der jahrtausend alten Beschneidung immer noch die Juden mit Vorhaut auf die Welt kommen. Warum sich das Beschnittensein vererben sollte, leuchtet einem klaren Denker, der das Wesen der Vererbung kennt, nicht ein. Nur einem prälogischen Denken könnte so ein Gedanke entspringen. (B.)

Michaelis bezweifelt aber nach langen Erwägungen die Effektivität der Beschneidung als hinderndes Präsevationsmittel gegen Masturbation

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"Ob ich gleich gerne glaube, daß es vielleicht einige einzelne Gattungen der Selbstbefleckung (1) geben mag, die einem Beschnittenen schmerzhaft werden."

1) Also Michaelis kennt verschiedene Modi von Masturbation, die er "die Sünde der Affen" nennt. Warum nicht der Menschen? Das Mannstuprieren der Affen wurde ja im Freien nicht beobachtet und hängt, wohl mit ihrer Gefangenschaft zusammen. (B.)

Sachtleben (p. 107) ist noch viel apodiktischer als Michaelis in bezug auf die wirksamkeit der Beschneidung. Er schreibt (p. 103):

"Es kann die Beschneidung - als Verwahrungsmittel und Heilmittel der Selbstbefleckung - nicht bloß an Kindern, sonderni auch an Jünglingen und selbst Erwachsenen ohne alle Lebensgefahr oder einen sonstigen Nachteil der Gesundheit vollzogen werden... ungleich kräftiger - und viel leicht unter allen Mitteln das wirksamste - dürfte wohl die Beschneidung sein.... Es ist die mit der Selbstbefleckung oder Manustupration der Beschnittenen verbundene schmerzhafte Empfindung (2) gar zu stark, als daß sie nicht die mit diesem Akte zugleich kombinierte Wollust weit überwiegen sollte. Dieser Schmerz muß aber ganz natürlich um so größer und unausbleiblicher sein, je reizbarer die Eichelkrone corona glandis - des männlichen Glieds, und je stärker die von der verkürzten Vorhaut bei der Erektion erzeugte Spannung ist und sich der wollüstigen Friktion der Eichelkrone, widersetzt."

2) Sachtleben beruft sich auf Michaelis Anonymus. (B.)

Er nennt diese ganz unhaltbare Auffassung "meine Lieblingshypothese. Noch im Jahre 1842 spukt diese phantastische Auffassung. Der Franzose Lallemend (p. 161) erblickt in der Beschneidung ein nützliches Mittel "gegen unfreiwillige Samenergießungen", deshalb hat er selbst die Beschneidung gegen Pollutionen eingeführt.

Auch nach Jacobus X... scheint der beschnittene Neger weniger zur Onanie zu neigen als der unbeschnittene. Nach diesem Autor kommt beim Senegal-Neger Masturbation nur sehr wenig vor. "Die Reibung der leicht reizbaren Schleimhaut der Eichel des beschnittenen Gliedes erfordere ja zur Samenentleerung erheblich längere Zeit als die Kopulation. Nur der unbeschnittene

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Senegalbursche masturbiere, indem er die Vorhaut zur beträchtlichen Länge ausziehe. Sei er aber beschnitten, halte er masturbieren für schimpflich; auch ständen ihm dann ja zur Befriedigung seiner sexuellen Wünsche Weiber genug zur Verfügung. " (Karsch, p. 170).

Die Behauptung, daß Beschnittene nicht masturbieren oder sogar nicht masturbieren können, ist grund falsch. Unter den Juden.ist die Manustupration stark verbreitet (man vergleiche in diesein zusammenhange den Segenspruch des Mohels (1)) desgleichen unter den islamitischen Indern, bei denen sie "jalakh" (sprich "dschelach") heißt und meistens so ausgeführt wird, daß bis zur Einstellung des Orgasmus am Frenulum hin und hergezupft wird, was auch beschnittene Arier in Europa tun. Auch ein beschnittener Neger (Sebeyi) onanierte in meiner Gegenwart. Im übrigen verbietet der Talmud das Onanieren bei Mann und Weib (Wunderbar, p. 27). Danz, der sich bemühte, Sachtleben zu widerlegen, verfällt in eine gegenteilige Übertreibung wenn er behauptet, daß die Beschneidung sogar zur Manustupristion verhelfe. Er machte die Beobachtung, daß
"Kinder, die von Natur eine kurze Vorhaut, und eine stark entblößte Eichel (2) hatten, Manustupristen wurden."

1) Vergleiche diesen Segenspruch: Seite 40.

2), Sie hatten gerade in Folge der Masturbation die Vorhaut zurückgezogen und die Eichel entblößt (B.)

Die Beschneidung gebe vielmehr Anlaß zur Selbstbefleckung, anstatt sie zu verhüten. Ähnlich äußert sich Salomon, der selbst beschnitten war. Salomon (p. 26) glaubt nicht nur nicht daran, daß durch Beschneidung die Masturbation unmöglich gemacht wird, sondern lies
"es läßt sich im Gegentheil wohl annehmen, daß durch die leichtere Zugänglichkeit der bloßgelegten Eichel und, durch die stärkere Friktion, welcher dieselbe ausgesetzt ist, der Reiz vergrößert und die Onanie nur noch gefördert werden könnte; obgleich sich auch wiederum der Einwand machen ließe, daß die seit der Kindheit schon entblößte Eichel dadurch an Empfindlichkeit bedeutend abgenommen haben müßte. Jedoch die Resultate, in Bezug auf das Vorkommen dieses Übels, haben noch keine wesentlichen Vorteile ergeben, und so scheint hiermit das Gebot der Beschneidung in keinem Zusammenhang mit der Onanie zu stehen."

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So kommt nun der Erlzlärungsversuch von Tessmann (p. 99-101), der magisch ist und dem ein mimetisches Motiv (wie früher bei Philo) zugrunde liegt: und zwar die Schlange. Der Neger oder Primitive bemüht sich, sein Glied dem heiligen Tiere, mit dem er seinen Penis identifizierte, ähnlich zu machen.

"Für die Beschneidung sind die religiösen Beweggründe offensichtlicher und werden übrigens von vielen Völkern angeführt. Von den Pangwe wird allgemein betont, daß sie besseres. "Aussehen" (1) dazu bestimmt hätte, aber wie kam man darauf, daß es besser "aussähe", wenn das Glied beschnitten sei? ,Die Beantwortung ergibt sich aus dem S. 26 erklärten Gedanken des "ersten Menschen", die geschlechtliche Sünde mit der Schlange zu entschuldigen, und aus der Annahme, man hätte die Ähnlichkeit zwischen dem Glied und der Schlange durch die Beschneidung noch stärker ausprägen wollen. Man könnte sagen, die altjüdische Ausdrucksweise, die Beschneidung sei ein Bund mit Gott, trifft Vollkommen das Richtige, denn da Gott die Schlange geschickt hat, von der alle Sünde kommt, so ist tatsächlich zwischen beiden'eine Verbindung, ein Bund, hergestellt. Weil sie von gleichen Anschauungen herkommen, fallen bei Vielen Negern Beschneidung und Kulte zusammen, so daß mani von wirlklichen Beschneidungsfesten reden kann. Bei den Pangwe ist das nicht der Fall, die Beschneidung wird ganz unabhängig von den Kulten und öffentlichausgeführt.

1) Die Neger selbst gaben Tessmann somit ein ästhetisches Motiv an. (B.)

Nach Tessmann ist die Schlange einfach die Personifizierung des Penis, was sich aus seinem Pangwerätsel ergibt:
"ebo nkok, e mine fe, i"
Verdorbener, niedergefallener Baumstamm wohinein kriecht (sich schiebt) eine Nashornschlange" (2)

2) Bilis nasicornis Shaw

Ich nannte Tessmanns Erklärungsversuch magisch, weil er ganz wie ein Primitiver von der Wirkung auf den Ursprung, den Antrieb, schließt. Der ganze Schlangenkultus ist auf ein ähnliches prälogisches Kombinieren zurückzuführen. Wegen der äußerlichen Ähnlichkeit der Schlange mit dem Phallus wurde sie öfters mit ihm verwechselt und der Schlangenkultus

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konnte auf diese Weise mit dem Phalluskulte, dessen Derivat und Abklatsch er ist verbundenwerden; demzufolge glaubte man, daß der Ahne in der Schlange schlafe und unter dieser Form das Weib besuche:
"Man findet diese Überzeugung bei den Nandi von Afrika, die die Schlange töten, aber diejenige schonen, die neben dem Bette (1) eines Weibes schläft."
"Sie ist stets willkommen und man bietet ihr Milch (2) an. Von ihrem Besuche erwartet man als Folge eine Schwängerung bezw. Geburt." (Harnik, Rollet)

1) Die Nandi schlafen in keinem Bette, sondern auf der Kuhhaut. (B.)

2) Als ich bei den Nandi mehrere Monate verweilte, wurde mir über die Riesenschlangen Folgendes berichtet: "Wenn man der Schlange "gjalagvit" kein Bier gibt, so verschlingt sie Menschen. Wenn der Moran (Beschnittener) zum Tanz geht und sie an der Wurzel eines Stammes bemerkt, so läuft er davon. Darauf kommen die Alten (boyot) mit einer Schüssel voll Bier; sie trinkt das Bier aus, schläft zwei Tage und geht dann ihres Weges." (B.)

Stekel (p. 111) bemerkt:
"Die Schlange ist vielleicht das bekannteste Phallus-Symbol, das es.überhaupt gibt. Die Suaheli-Frauen (Deutsch-Ost-Afrika) haben in ihrer eigenen Privatsprache das Wort Schlange für Penis." (3)

3) Bei den Italienern heißt er noch heute bald anguilla (Aal), bald serpente (Schlange), bald pesce (Fisch) (Majocchi, p. 443). (B.)

Stekel erinnert dabei an eine Skulptur aus Neu-Guinea im Berliner Völkerkunde-Museum, die ein Weib darstellt, aus deren Vaginal-Orificium eine kleine, runde Schlange mit kleinem Kopf, der einem Penis sehr ähnlich ist, hervorlugt. (Stekel, p. 60).
"Die ist wohl das häufigste Penis-Symbol, kann aber auch für das weibliche Genital stehen. (p. 60.)
"Die Schlange ist ein exquisit männlichen Sexual-Symbol und steht für den Phallus. Sie kann auch weiblich gebraucht werden, da ja alle Symbole bisexual sind."

Die moderne Traumdeutung hat auch für Schlangenträume, die bei Frauen keine Seltenheit sind, eine phallische Erklärung. (4) (Stekel, p. 111.)

4) Stekel berichtet von einer großen Schlange (= erigierter Penis), der einer Dame Angst einjagt. Aber auch der Regenschirm (p. 21) ist ein phallisches Symbol. Abgebrochener oder geschnittener Griff des Schirmes -sei eine Anspielung auf die Zirkumzision!

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Der erigierte Penis hat auf die Einbildungskraft und Vorstellungswelt der Menschheit stets als Symbol des auferstehenden, fruchtenden Lebens gewirkt und wurde daher überall als Phallus angebetet. Die Beschneidung steht unbedingt mit diesem Kulte in engster Beziehung. Vatke (p. 380) sagt:
"Selbst die Beschneidung konnte vom syrischen und phönizischen Culte ausgehen oder sich wenigstens leicht an ihn schließen (1), ohne daß dabei die Vorstellung von der androgynischen Natur des Gottes zu Grunde lag. Denn da der Geschlechtsprozeß als Hauptmoment des göttlichen Lebens angesehen wurde, und das Geschlechtsorgan wie der Phallusdienst zeigt, als heilig gilt, so konnte sich leicht daran die Vorstellung von einem gänzlichen oder partiellen Opfer desselben knüpfen, und man braucht kaum anzunehmen, daß die spätere Beschneidung Surrogat früher üblicher Entmannung (im Sinne der Cybele- und Rheapriester) gewesen sei."

1) Den wahrscheinlichen Ursprung der Beschneidung kann man nur aus dieser Grundansicht erklären, da andere Motive, Fruchtbarkeit oder Reinlichkeit, die strengere Prüfung nicht aushalten."

Es ist wertvoll für die weiteren Untersuchungen, daß selbst für die Israeliten nicht nur der Phalluskult nachgewiesen wurde, sondern die Beschneidung in eine Abhängigkeit von ihm gestellt wurde. Benzinger (p. 121) gedenkt der Beschneidung, als eines Mittels, durch welches man den Gedanken der Weihe an die Leben zeugende Naturkraft (Istar-Astoret, Tammuz-Adonis, etc.) zum Ausdruck, brachte. Dazu stimmt aufs beste, daß bei den meisten Völkern die Beschneidung in Beziehung zur Verheiratung steht. Auch in Israel wurden ursprünglich nicht die Kinder, sondern die mannbaren Jünglinge beschnitten. (Josua, 5, 2-9, Gen. 34, 4-25). Sie hängt also bei den Israeliten ursprünglich keineswegs mit dem Jahwekult zusammen."(2)

2) Von mir gesperrt! Es ist wichtig daß dieser Befund endlich in das Bewußtsein der Autoren , die sich mit der hier behandelten Materie befassen, eindringe, damit einmal mit der bisherigen spekulativen, unkritischen Behauptung vom monotheistischen Ursprung der Beschneidung aufgeräumt und erkannt werde, daß sie offenbar vom Phalluskult herrühre. (B.)

Über die Schlange und ihre Beziehung zum Präputium wurde bereits mitgeteilt. Bei den Kabbalisten hieß es ja:
" die Vorhaut rühre her von der ersten Schlange, welche Adam

p. 155

und Eva verführet daher die Cabbalisten Träumen." "Die Schlange soll Erde fressen. Die Vorhaut seye Mecach hannachasch hakadmoni, d. i. von der Kraft der ersten Schlange, mithin müsse man auch die Vorhaut der Schlange wiederum zu essen geben." (Bodenschatz, p. 67). - Auch "dem Stamme Levi hatte man eine weite ophische Abstammung zugeschrieben, und er hatte faktisch als Totem eine Schlange" (Majocchi, p. 443).

Es ist auch kein Zufall, daß gerade der Stamm Levi nach Preuß die Beschneidung beibehielt, obwohl die anderen sie längst abgeschafft hatten. Übrigens lese man bei Dulaure über den Phalluskult der Juden nach.

Ein Zusammenhang zwischen Phalluskultus und Beselineidung findet sich bei Johnston angedeutet: Karsch sagt darüber (p. 158-159): "nach H. H. Johnstons Schilderung ist wohl nirgends in Afrika der Phallusdienst so offen und allgemein wie am Stanley Pool. In den Wäldern gibt es wunderbare Tempel aus Stroh und Holz, die das Phallus-Symbol bergen. Mit dem Phallusdienst sind, soweit der Gewährsmann es in Erfahrung zu bringen vermochte, keine wirklich unzüchtigen Zeremonien verbunden, wenigstens sind die Symbole in den Augen der Eingeborenen Gegenstand bloßer Ehrerbietung. Die an den Einweihungsfesten. teilnehmenden Knaben werden beschnitten und es sind bei der Weihe, die ein Phallusdienst ist, anscheinend nur Männer zugegen. Sie heißen Inkimba, sind Knaben von 14 und Männer bis 40 Jahren; sie bilden eine Art von Freimaurerbund, der gewisse Paßworte oder Kennzeichen führt und auch eine Art Geheimsprache hat, wie einige australische Stämme."

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Page 181-217

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Chapter Three
ANTHROPOLOGY
The Origins of Routine Male Circumcision
Phimosis Through the Ages
Bryk

reference: http://www.male-initiation.net/anthropology/bryk/bryk_de4.html
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